(Klein Report, 12. Juni 2026)

Beda Stadler, emeritierter Immunologe der Universität Bern, über Maskenpflicht als Theater, strukturelle Verstrickungen in der Task Force und ein Epidemiengesetz, das den Bundesrat zum Wiederholungstäter machen würde.
Stadler war einer der wenigen Wissenschaftler in der Schweiz, der von Anfang an öffentlich Kritik an den Corona-Massnahmen übte – und dafür als «Aluhutträger» abgestempelt wurde.
Der emeritierte Professor und ehemalige Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern tritt im Dokumentarfilm «Der Hype – 2020 Revisited» von Mike Wyniger auf und ist regelmässig an Podiumsgesprächen im Kino vertreten.
Für den Klein Report hat Journalist Peter Wäch mit Beda Stadler ein Interview geführt. Das Gespräch fand an einem milden Nachmittag in einem Berner Restaurant statt. Stadlers Sohn lebt in der Stadt, der Vater ist oft zu Besuch. Er redet ohne Umschweife.
Sie haben früh und öffentlich Kritik an den Corona-Massnahmen geübt. Was hat Sie damals angetrieben?
Beda Stadler: «Mich hat geärgert, dass plötzlich die ganze Welt so tat, als käme etwas völlig Neues. Das Coronavirus kannte ich noch aus dem Studium – es war eines der besser bekannten Erkältungsviren, neben Influenza und Rhinoviren. Und dann kamen aus China die ersten Daten: Kinder überhaupt nicht gefährdet, bis 50 kaum, darüber zunehmend – wie es bei Erkältungsviren eigentlich immer ist. Niemand wollte das hören. Zu Wort kamen nur Epidemiologen, Computermodellierer, Leute ohne klinische Erfahrung. Wir hatten damals einen Nobelpreisträger für Virologie und Immunologie in der Schweiz – Rolf Zinkernagel. Ich habe nicht einmal eine Stellungnahme von ihm gehört.»
Sie haben auch von Anfang an gesagt, man müsse die Alten und Vulnerablen schützen, statt die ganze Gesellschaft lahmzulegen. Warum haben die Task Force und somit der Bundesrat den anderen Weg gewählt?
Stadler: «Ich hatte den Eindruck eines politischen Wettrennens: Wer kann noch gleicher tun als das Land nebenan? Das Einzige, wofür ich mich wirklich eingesetzt habe, war: die Kinder in Ruhe lassen. Mit jeder Kita macht jedes Kind Corona durch – sie waren immun, sie waren nicht gefährdet. Das einzig Positive an der Schweizer Politik war, dass niemand die Kitas schloss. Aber die Behauptung, Kinder steckten nachher die Grosseltern an – das war katastrophaler Unsinn. Schweden hat unter dem Strich besser abgeschnitten als die Schweiz. Das passt vielen nicht. Aber es stimmt.»
Im Film werden die Verstrickungen innerhalb der Task Force thematisiert: Matthias Egger war gleichzeitig Taskforce-Präsident und Präsident des Schweizerischen Nationalfonds. Was bedeutet das konkret?
Stadler: «Das ist ein massiver Interessenkonflikt. Der Nationalfonds verteilt den Grossteil der Schweizer Forschungsgelder. Wissenschaftler, die Studien einreichen, sind auf Gedeih und Verderb dem Vorstand ausgeliefert. Wenn der Mann, der diese Gelder verteilt, gleichzeitig die wissenschaftliche Agenda einer Task Force bestimmt, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass keine abweichenden Stimmen laut wurden. Pietro Vernazza – ein ausgewiesener Kliniker – wurde von der Task Force wieder ausgeladen. Er hatte Fragen gestellt. Das sagt alles.»
Lukas Bruhin, damaliger Generalsekretär von Alain Berset, soll die Task Force am BAG vorbei direkt beim Bundesrat lanciert haben. Einen Monat nach Ende seiner Tätigkeit wurde er Präsident von Swissmedic – der Behörde, die Medikamente und Impfstoffe zulässt. Zufall?
Stadler: «In der Schweiz nennt man das diskret Vernetzung. Anderswo heisst es Interessenkonflikt. Ich behaupte: Das BAG hatte ohnehin nicht die Leute mit genügend Sachverstand, um bei dieser Pandemie eine tragende Rolle zu spielen. Das ist tragisch. Ich habe meinen Studenten jahrelang gesagt, wer das Fach nicht versteht, kann höchstens beim BAG arbeiten. Die haben das vernommen und wollten mit mir darüber sprechen. Ich blieb dabei. Und dann kamen sie ausgerechnet zu mir und sagten, ich solle mich impfen lassen, obwohl ich Covid bereits durchgemacht hatte – sonst bekomme ich kein Attest. Welcher Idiot hat das entschieden?»
Masken, PCR-Tests, Schulschliessungen – was davon war evidenzbasiert?
Stadler: «Cochrane und andere unabhängige Metastudien zeigen inzwischen klar: Masken haben weltweit nichts gebracht. Chirurgische Masken sind dafür gemacht, dass die Hautschuppen eines Chirurgen nicht in die Wunde fallen – nicht dafür, Viren aufzuhalten. Beim PCR-Test war das Problem nicht der Test selbst, sondern die völlig falsche Anwendung. Er misst ein kleines Bruchstück eines Virus und amplifiziert es – das sagt nichts darüber aus, ob jemand krank ist. Ich habe gegen das BAG gekämpft: Redet nicht von ’Angesteckten’, sagt wenigstens ’Fälle’. Allein die Testerei hat in der Schweiz 2,4 Milliarden Franken gekostet. Für nichts.»
Die Revision des Epidemiengesetzes soll den Bundesrat ermächtigen, sämtliche Corona-Massnahmen künftig auf gesetzlicher Grundlage wieder einzusetzen. 2027 kommt es wohl zur Abstimmung. Was muss vorher passieren?
Stadler: «Es braucht eine echte Aufarbeitung. Nicht damit man Leute bestraft, sondern damit so etwas nicht nochmals passiert. Ich vermute, die Politik will mit dieser Revision nachträglich Recht bekommen für den ganzen Unsinn, den sie angestellt hat. Das darf nicht durchgehen. Kein einziges Printmedium in der Schweiz stellt echte Wissenschaftler an. Meinungen werden als Fakten durchgewunken. Und seit Amerika die Terminologie der Fake News in die Welt gesetzt hat, ist die Lüge zur Norm geworden.»
Was sollte uns das im Nachhinein sagen?
Stadler: «Covid hat gezeigt, dass alle Prognosen dieser Leute völlig falsch waren. Angst ist keine Leitplanke. Wir brauchen endlich Sachverstand statt Panik.»