«Gäbe es eine Hetzjagd, findet sie eher umgekehrt statt»


(Bärnerbär – Thema)

Sind die Ungeimpften schuld an der Corona-Misere? Wieso werden Impfdurchbrüche nicht mehr kommuniziert? Und ist «Spiken» wirklich gefährlich? Immunologieprofessor Beda Stadler nimmt Stellung.

Beda Stadler, zum Aufwärmen einige aktuelle Fragen: Braucht es ein Impfobligatorium?

Ja, aber nur für bestimmte Berufsgruppen: für das Pflegepersonal etwa oder für Gefängniswärter. Schliesslich hält sich ja niemand freiwillig dort auf. Meine Haltung kam beim Pflegepersonal damals, als ich zum Professor berufen wurde, übrigens schlecht an. Ich galt als zu extrem.

Wir kommen aus der Pandemie nur raus, wenn sich möglichst alle impfen lassen. Richtig oder falsch?

Beides. Mit der Impfung geht es deutlich schneller. Man hört das Wort Herdenimmunität ungern – doch das Impfen ist nichts anderes als die Beschleunigung dieser Herdenimmunität. Es gibt also zwei Wege: Impfen oder alles einfach so passieren lassen und mehr Todesfälle in Kauf nehmen.

Flächendeckend 2G einführen wie in Deutschland – ja oder nein?

Mein Vorschlag gleich zu Beginn der Pandemie wäre folgender gewesen: so rasch als möglich allen, die genesen sind, ein Zertifikat ausstellen. Als Nächstes erhalten jene ein Zertifikat, die geimpft sind. Folglich werden diese beiden Gruppen von allen Schikanen inklusive Maskenpflicht befreit.

Haben Sie das Covid-Gesetz angenommen oder abgelehnt?

Ich habe aus Pragmatismus Ja gestimmt. Ich hoffe, dass das Parlament genügend Gegenwehr entwickelt, damit sich keine autokratischen Strukturen entwickeln.

Wie sähe, Stand heute mit stark steigenden Fallzahlen, Ihr Sofortmassnahmenplan aus?

Erstens: den Fokus ausschliesslich auf Risikopatienten legen. Zweitens: eine Stop-and-go-Strategie. Jeder Kanton würde Massnahmen vorschlagen, die wissenschaftlich begleitet werden. Nach einer adäquaten Zeit werden sie ausgewertet und kommuniziert. Das hätte schon zu Beginn der Pandemie geschehen müssen. Heute haben leider zahlreiche Menschen das Gefühl, eine Maske wirke gleich gut wie die Impfung. Das ist eine Katastrophe.

Ein Satz zu den Masken bitte.

Masken machen in einem vollbesetzten Kino oder Bus Sinn. In den Berner Lauben, im Bahnhof oder in einem Fussballstadion, wo die Luft ständig ausgetauscht wird, sind sie komplett unnötig. Das führt auch dazu, dass sich viele Menschen in einer falschen Sicherheit wiegen. Masken tragen sollen jene, die sich krank fühlen und denen sie ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.

Herr Stadler, ich habe mir von impfkritischen Kolleginnen und Kollegen einige Fragen zuschicken lassen und bitte Sie, diese nun zu beantworten. Hier die erste: «Ist es möglich, das Gesundheitssystem mit Militär und Freiwilligen so aufzurüsten, damit Kranke gepflegt statt Gesunde gejagt werden?»

Ein frommer Wunsch. Und ohne Militär. Es reicht, wenn Aufstiegsmöglichkeiten und Löhne in der Pflege verbessert würden. Krankenpflegerin zu werden, ist eine Sackgasse. Anstatt allerdings das Berufsbild zu verbessern, werden entsprechende Arbeitskräfte aus dem Ausland geholt.

Nächste Frage: «Wird es Ihnen angesichts der Hetzjagd auf Ungeimpfte nicht angst und bange?»

Geimpfte und Genesene sollten von den Einschränkungen ausgenommen werden. Man könnte die Ungeimpften folglich in Ruhe lassen, weil diese dann automatisch die gleichen Vorteile geniessen wollen. Geimpfte und Genesene müssen im Gegenteil sämtliche Einschränkungen mittragen. Gäbe es eine Hetzjagd, findet sie eher umgekehrt statt. Den Genesenen wurde es im Übrigen viel zu schwer gemacht, an ein Zertifikat zu kommen, obwohl das unsere Winkelrieds sind. (lacht)

Eine anschliessende Aussage einer Kritikerin: «Es ist etwas gar billig, die ganze Misere den Ungeimpften in die Schuhe zu schieben!»

Das ist nicht billig, sondern eine Tatsache. Von Geimpften geht weniger Gefahr aus als von Ungeimpften. Nehmen Sie den Strassenverkehr: Wer sich nüchtern ans Steuer setzt, ist weniger gefährlich als ein Betrunkener. Ich habe nichts gegen Besoffene – aber sie sollen nicht Auto fahren.

Dann: «Wie viele Intensivbetten gab es in der Insel zu jener Zeit, als Sie aktiv dozierten?»

Das hat mich nie interessiert. Interessanter ist die Frage: Wie viele Leute erhalten einen Intensivplatz, weil in den letzten Jahren auf allen anderen Abteilungen aus Spargründen Betten geschlossen wurden?

Erklären Sie das bitte genauer.

Nun, wie geht man mit einem kranken Covid-Patienten um? Wird er auf die normale Bettenstation verlegt, gefährdet er ja die anderen und das Personal. Die meisten Kliniken verfügen über keine Infrastruktur, die neben der eigenen zugleich einen sehr hohen infektiologischen Standard aufweisen. Das ist das Problem.

Laut dem «Beobachter» wird die Zahl der Impfdurchbrüche vom BAG seit Oktober nur noch bei Hospitalisierungen und Todesfällen erfasst. Das ist tatsächlich komisch.

Gegenfrage: Wie wollen Sie einen Impfdurchbruch diagnostizieren?

Jedenfalls hat das BAG diese Zahlen bis im Oktober so kommuniziert.

Das BAG hat aus dem Bauchgefühl heraus manches irgendwie gehandhabt. Ich betone: Wer geimpft ist und mit Viren in Kontakt kommt, schlachtet diese in seinem Körper ab – der PCR-Test bleibt deshalb trotzdem weiterhin eine gewisse Zeit positiv.

Und jene Person ist ansteckend?

Fast sicher nicht.

Nicola Low, Mai Thi Nguyen-Kim, Karl Lauterbrach, Christian Althaus: samt und sonders Panikmacher?

Ich ziehe meinen Hut vor Tanja Stadler: Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit hat sie gezeigt, dass die Fallzahlen bereits am Sinken waren, als bei uns der erste Lockdown ergriffen wurde. Später hat sie quasi die Seite gewechselt und wurde Taskforce-Chefin beim Bund. Zu den erwähnten Namen: Die Wissenschaft hat die Aufgabe, nüchtern zu bleiben. Bloss wurden in dieser Pandemie Computer-Algorithmen zu einer Art Kristallkugel erhoben – manche der genannten Experten prognostizierten 60’000 Tote.

Auf Facebook schrieb jemand, er hätte wegen der Impfung eine Thrombose im Auge bekommen. Fake News?

Das kann ich zu wenig beurteilen. 1998 befeuerte ein Artikel in einem Wissenschaftsjournal die These, wonach ein Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-und-RötelnImpfung und Autismus bestehe. Der Verdacht hat sich jedoch nie erhärtet – im Gegenteil: In der Testgruppe war die Zahl ungeimpfter Frauen mit autistischen Kindern sogar höher. Eine Tatsache gilt für alle Impfungen: Jede Art von Impfung war bis jetzt immer weniger gefährlicher als die Krankheit selbst.

Skeptiker sagen, ein Spike-Impfstoff wie Moderna käme ihnen nie unter die Haut – ein Totimpfstoff wie Sputnik hingegen schon.

Und genau den würde ich mir nicht spritzen lassen, weil dort unklar ist, was sonst noch drin enthalten ist. (lacht)

Zum Schluss die Gretchenfrage: Wie lange müssen wir noch durchhalten?

Wenn Omikron ansteckender, aber nicht tödlicher ist, bedeutet diese Variante, sofern sie sich durchsetzt, die grosse Chance. Dann erreichen wir die Herdenimmunität trotz der Impfkritiker.

Yves Schott


Quelle: https://baernerbaer.ch/thema/gaebe-es-eine-hetzjagd-findet-sie-eher-umgekehrt-statt/

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Ein Gedanke zu „«Gäbe es eine Hetzjagd, findet sie eher umgekehrt statt»“

  1. Persönlich frage ich mich, weshalb so viele Experten sich in dieser Sache immerzu widersprechen .
    Wäre es doch nicht der Annerkennung entsprechend intelligenter , wenn man ganz schlicht und einfach gestehen würde , dass man es nicht wirklich weiss .
    Ganz allgemein habe ich übrigens festgestellt , dass viele Experten nach kurzer Zeit „ nicht mehr existieren“ nachdem sich die Realität durchgesetzt hatte .
    Als Beispiel nenne ich nur Australien , das damals als austrocknender Kontinent bezeichnet wurde …
    Beispiele gäbe es deren viele . Aber relevante Kommentare gaben offenbar Sachverständige….😊
    Das Ganze Thema „Corona“ ist letztens nichts Anderes als eine mehr als nur fragwürdige Sache mit – „selbsternannten“ Experten …

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