Erstes Kochbuch für Gen-Food

(Wiener Zeitung)

SCHWEIZER IMMUNOLOGE PROVOZIERT MIT INFORMATION UND HUMOR:

Der Titel des Werkes ist ebenso provokant wie eindeutig: “Gene an die Gabel” hat der Schweizer Immunologe und Hobbykoch Prof. Beda Stadler sein jetzt erschienenes Buch genannt. Das angeblich weltweit erste Kochbuch mit Rezepten für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel wurde bei einem Symposium über Lebensmittelsicherheit in Hamburg präsentiert. Es enthält rund 30 bebilderte Rezepte, gewürzt mit informativen und humorvollen Anmerkungen.

Der Autor versteht sein Werk durchaus auch als “Marketing- Strategie für Gen-Food”: “Essen geht zunächst mal durch den Kopf und dann erst durch den Magen. Wir müssen kommunikative Anstrengungen unternehmen, um bei den Menschen Ängste abzubauen”, sagte Stadler. Der stellvertretende Direktor am Institut für Immunologie und Allergologie am Inselspital in Bern und überzeugte Gentechnik-Befürworter hat sich mit dem in Eigeninitiative entstandenen Buch allerdings auch den Frust von der Seele geschrieben. “Als Genforscher ist man vielen Anfeindungen ausgesetzt.” Außerdem wolle er “allen Unerschrockenen die Wartezeit verkürzen bis endlich” Gen-Food in den Supermärkten zu haben ist.

Allerdings wurden in dem Buch für nur drei der Rezepte tatsächlich im eigentlichen Sinne gentechnisch veränderte Lebensmittel verwendet, die es bis jetzt obendrein nur im Labor gibt. Zu jeder Kochanleitung aber findet der Leser in der Rubrik “Wissenswertes” allgemein verständlich formulierte wissenschaftliche Informationen zu den Bestandteilen der Mahlzeiten.

Dabei versucht Stadler klar zu machen, dass so manches als ursprünglich betrachtete Produkt schon Jahrzehnte vor der Gentechnik von Menschen manipuliert worden ist.

“Kein anderes Nahrungsmittel” ist nach Stadler so genmanipuliert “wie unser täglich Brot”, denn Weizen bestehe durch Kreuzung von Getreidesorten aus drei verschiedenen Gräsern und habe von drei weiteren Pflanzen Chromosomenteile. “Unsere jetzigen Lebensmittel haben nichts mehr mit Evolution zu tun. Wer das denkt, hat Darwin nicht verstanden”, meinte Stadler beim Symposium der Unilever GmbH. Für ihn besteht kein Unterschied zwischen in vielen Jahren genetisch veränderten Pflanzen und Tieren und im Labor entstandenen gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Von Natur aus wäre diese Weizen-Pflanze nicht entstanden, und dennoch finde man “dieses genmanipulierte Kunstprodukt auf dem lokalen Biomarkt”.

Für den 51-Jährigen gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Bioprodukte besser, gesünder und schmackhafter seien. Ganz im Gegenteil: Das im Biolandbau noch immer erlaubte Düngen mit menschlichen Fäkalien könne sogar gefährliche Krankheitserreger verbreiten, meinte Stadler. Und ein von Insekten befallener Apfel produziere Biopestizide. “Die von Insekten befallenen Früchte entwickeln Gifte, die im Durchschnitt giftiger sind als die biologisch abbaubaren Gifte der Chemie”, ist bei Stadler zu lesen, dessen Buch via Internet zu bestellen ist (http://www.internutrition.ch).

Der Schweizer, der mit seiner provokativen Forderung “Gene an die Gabel” die Debatte um Lebensmittelsicherheit vermutlich anheizen wird, betonte: “Es ging mir auch um den Spaß, den Spaß am Schreiben, am Provozieren, am Debattieren, am Kochen und am Essen”. (Internet: Internutrition: http://www.internutrition.ch).

Quelle: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wissen/mensch/201756_Erstes-Kochbuch-fuer-Gen-Food.html

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